Von Funken und Rauchsäulen – In Hamburg zünden sie wieder Autos an

In Hamburg brennen Autos. Seit Wochen, immer wieder. Rauchsäulen einer schleichenden Veränderung der Protestkultur?

Linke Chaoten? Eine Form des Protestes, die bei dem ein oder anderen Sympathien weckt? Solange man selbst nicht betroffen ist?

Welche Rolle spielt das Auto? Wie wichtig ist seine statusbildende Funktion?

Überliefert sind Erzählungen von Großkanzleianwälten und Unternehmensberatern, die damit prahlen, ihre Mitarbeiter zu entlassen, für den Fall, dass diese sich erdreisten ein teureres Auto als der Chef zu kaufen.

Wünscht man diesen, dass der Benz des Nachts brennt? Oder bemitleidet man sie ob ihrer Fokussierung auf das Materielle, Unwesentliche?

Wie kommunizieren wir unsere Werte? Auto = Ego?

Schon vor Jahrhunderten hat das Transportmittel ein gewisses Licht auf seinen Benutzer geworfen – der Esel für den Bauern, das Viergespann für den Lehensherren. Dem Stande gemäß? Und heute? Hat sich dies gewandelt? Kann etwas, das schon immer legitim war heute illegitim erscheinen – darf ein Auto heute nicht mehr im gleichen Maße als Statussymbol dienen?

Erinnerungen werden wach an Fahrten in der klimatisierten Mercedes E-Klasse über die roten Lateritpisten Ghanas.

Wir rücken global zusammen, erkennen die massiven Unterschiede, die Gefälle (ob zwischen erster und dritter Welt oder zwischen Bogenhausen und Hasenbergl) und – erhalten sie aufrecht.

Den Status konservieren, das Erarbeitete erhalten – soweit so gut. Doch wie verträgt sich dieser Gedanke mit der Chancenungleichheit allerorten? Wie kann dieser Gedanke überleben angesichts der Ansprüche, die wir an unser Wertesystem, die kontinentaleuropäisch geprägten Menschenrechte haben? Wollten wir dieses nicht „hinaustragen in die Welt“, die armen Zurückgebliebenen zivilisieren?

Wie lange noch wird sich der Benz, Porsche oder BMW sicher durch die Vororte der mondänen Welt lenken lassen, wenn sich die Kluft zwischen dem (vermeintlichen) Anspruch der Gutmenschlichkeit und der vom Streben nach Statuserhalt und materieller Konservierung geprägten Wirklichkeit weiter vergrößert?

Das Auto – für jeden sichtbar steht es mehr als der Wohnraum oder sonstige Dinge für den Status des Besitzers, manche Luxusmodelle suggerieren Überfluss. Dort wo sich die Pirelli-Reifen mit dem Staub der Straße berühren, liegt der soziale Funken. In Hamburg sprang er zuletzt über.

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